IAA25: Mitfahrt im Mercedes CLA mit Level 2++

jesmb konnte auf der IAA 2025 das neue Level 2++ von Mercedes erleben. Es kommt in den CLA sowie den GLC EQ.

 

Mercedes hat auf der IAA sein neustes Level 2++ System vorgestellt. Es wird unter dem Namen MB.Assist Pro angeboten.

Das System wird zukünftig in viele Baureihen kommen (die gesamte MMA Familie, GLC EQ, C-Klasse EQ sowie zahlreiche Facelift Modelle die im nächsten Jahr 2026 auf MB.OS umgestellt werden).

Derzeit sieht der Plan wie folgt aus: In China wird das System im Herbst 2025 an die Kunden ausgeliefert. Die USA folgen im Jahr 2026.

Mercedes CLA mit MB.Assit Pro
Das MB.Assist Pro erkennt man beim CLA an den zusätzlichen Kameras am Kotflügel

In der EU ist das System gemäß Auskunft von Mercedes derzeit verboten, da die Geschwindigkeit der Lenkraddrehung (dies ist gerade beim Abbiegen in der Stadt erforderlich) den zulässigen Grenzwert der EU übersteigt (muss aber so sein, sonst kommt man nicht um die Kurve).

Auf die Frage wann das tolle System in Europa / Deutschland verfügbar sein würde, konnte man keine verbindliche Aussage treffen, da dies von den Behörden und der Gesetzgebung abhängig ist. Mercedes ist hier im intensiven Austausch mit den zuständigen Behörden.

Ohne eine offizielle Ankündigung zu machen geht Mercedes davon aus, dass man es wohl schaffen könnte im Jahr 2027 das Level 2++ System hierzulande anzubieten.

MMA Kunden (CLA, GLA, GLB) müssten, falls sie das System haben möchten, dann ein neues Fahrzeug kaufen, da der MB.Assist Plus am Kotflügel zwei zusätzliche Kameras angebracht hat. Serienmäßig wird der CLA mit 8 Kameras ausgeliefert, das Level 2++ System benötigt 10 Kameras.

Beim GLC EQ sieht es anders aus. Hier geht Mercedes offenbar von einem höheren Interesse an dem Level 2++ System aus. Hier spricht Mercedes davon, dass der GLC EQ – je nach Markt – serienmäßig mit bis zu 10 Kameras ausgestattet wird. Die zusätzlichen Kameras werden hier nicht an den vorderen Kotflügel positioniert, sondern alle Kameras sind im Außenspiegelgehäuse integriert. Während der CLA hier zwei Kameras hat sind es beim GLC EQ drei Kameras im Spiegelgehäuse.

Mercedes GLC EQ Spiegel für Level 2++
drei Kameras im GLC EQ - dadurch der Verzicht am Kotflügel im Vergleich zum CLA

Ist der GLC EQ serienmäßig (abhängig vom jeweiligen Markt) ausgestattet, soll er sich, sobald die gesetzliche Freigabe der EU / KBA vorliegt, Over-the-Air (OTA) auf das neue MB.Assist Plus (Level 2++) upgraden lassen (dies geht beim CLA nicht, da ihm die zusätzlichen Kameras am Kotflügel fehlen). Mercedes geht davon aus, dass optisch schönere Lösung mit 3 Kameras im Spiegel anstelle zwei im Spiegel und eine am Kotflügel vermutlich erst mit der Mopf des CLA in 4 Jahren umgestellt wird.

Wie fährt das System MB.Assist Pro Level 2++ System?

jesmb konnte auf dem Beifahrersitz platznehmen. Gefahren ist der Mercedes-Benz Entwicklungsingenieur, da das System in der Münchner City nur mit einer Ausnahmegenehmigung fahren durfte.

Der Eindruck ist verblüffend. Man merkt es einfach nicht, dass der Computer fährt. Die Fahrt funktioniert flüssig, sie ist nicht langsamer als wenn man selbst fahren würde und die Reaktion auf andere Verkehrsteilnehmer in dem wusseligen Umfeld der Münchner Innenstadt ist sehr schnell.

Im CLA wird eine Navigationsziel eingegeben und im Vergleich zu früheren Testwagen nach Level 4 (bspw. die Bertha Benz Fahrt von Pforzheim nach Karlsruhe) benötigt der CLA keine besonderen HD-Karten mehr. Über die Kamerabilder und GPS Daten weiß der CLA wo er sich befindet (Fahrspur genau). Das Navi sagt, wie bei einem Menschen, dem System wo es hin muss und den Rest erledigt der wassergekühlte Supercomputer.

Das System erkennt eigenständig rote Ampeln (das kann demnächst auch der MB.Drive Assit Plus). Wenn ein Bus an einer Haltestelle anhält setzt der CLA den Blinker und überholt (das passiert völlig flüssig). Nach dem Bus wird der Blinker automatisch gesetzt und wieder zurück auf die rechte Fahrspur gewechselt.

Auch im Tunnel fährt der CLA weiter. Die Kameras sehen hier genügend und die Radare liefern ebenfalls zusätzliche Daten.

Dreiste Fahrradfahrer werden vom CLA erkannt und umfahren. Dabei wird sanft gebremst, wenn mal ein ganz Dreister kommt. Der CLA bleibt jedoch stets höflich und hupt nicht. Das wichtigste – auch für die Akzeptanz des Mercedes Kunden – ist jedoch, dass plötzlichen und dreisten Aktionen von Fahrradfahrern das MB.Assist Plus nicht aus dem Konzept bringen. Es führt zu keinem Abbruch oder einer unschlüssigen Denkpause des Systems und das wird zu einer hohen Akzeptanz beim Anwender führen. Nur so ist das System als Entlastung für den Fahrer zu gebrauchen und bieten einen hervorragenden Mehrwert.

Als Beifahrer habe ich mehrmals auf die Füße des Entwicklungsingenieur geguckt, sie waren nicht an den Pedalen.

Ein Video gibt es von einer Fahrt durch Shanghai hier.

1998 hat Mercedes mit der S-Klasse W220 mit Distronic (von 30-180 km/h) diese Entwicklung angestoßen. Das neue System MB.Assist Plus ist eine phänomenale Weiterentwicklung und eine tolle Entlastung im hektischen Großstadtdschungel.

Hinweis: Auch wenn der CLA praktisch wie von Geisterhand durch die Münchner City fährt, ist dieser MB.Assist Plus (Level 2++) ein Level 2 System. D.h. der Fahrer muss permanent in der Lage sein, dass Steuer zu übernehmen (Level 3 in der S-Klasse und EQS haben eine Übernahmezeit von 10s). Des Weiteren ist der Fahrer bei einem Level 2 System permanent verantwortlich und muss das System überwachen. Es gibt im Fahrzeug eine Infrarotkamera die die Blickrichtung der Augen des Fahrers überwachst (es wird nichts aufgezeichnet oder gespeichert), da Mercedes gegenüber den Behörden gewährleisten muss, dass man überprüft, dass der Fahrer aufmerksam ist. Dabei kann die Infrarotkamera auch durch dunkle Sonnenbrillengläser gucken. Stellt das System fest, dass der Fahrer mit anderen Dingen beschäftigt ist, schaltet es ab. Zudem muss der Fahrer alle 15s (optische Warnung) bzw. 30s (akustische Warnung) das Lenkrad berühren / anfassen.

Ein Level 3 System (hier ist der Hersteller in der Verantwortung) ist mit zusätzlicher Hardware und redundanten Systemen ausgestatte und machte es damit deutlich teurer.

Als Fazit kann man festhalten, es ist ein tolles System, welches so flüssig im Stadtverkehr fährt, dass man den Unterschied zum Menschen gar nicht wahrnehmen kann. Ich würde es lieber heute als 2027 auf den deutschen Straßen sehen und wünsche Mercedes viel Erfolg bei der Zertifizierung des Systems in der EU.

Weitere Informationen:

Mercedes trainiert Assistenzsysteme mit Kundenvideos

MB.DRIVE ASSIST PLUS was sind die Vorteile

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9 Responses

  1. Eigentlich unglaublich und vielversprechend. Trotzdem wird es in Städten oft genug Situationen geben (müssen), wo der Fahrer übernehmen muss. Parken in 2.Reihe, wo nur noch mit ordnungswidriger Umfahrung (durchgezogene Linie) reagiert werden kann, zu enge Baustellen usw.
    Aber vermutlich wird man froh sein, noch benötigt zu werden.

    1. Gab es da nicht vollmundige Ankündigungen des vollautonomen Fahrens? Also Level 4 und 5 in wenigen Jahren? Da ist ja eigentlich 2++ schon sehr ernüchternd zu den Aussagen von damals…. 😉

      Fortschritte sind ja trotzdem beachtlich, aber damals sehr (zu) laut getrommelt.. 😉

  2. Hab das auch woanders schon gelesen, dass Mercedes mehr kann als sie dürfen. Weiß man denn ob man im aktuellen CLA wenigstens auf der Autobahn über längere Etappen ohne Hände am Steuer fahren kann/darf?
    BMW beantragt für jedes Fahrzeug eine Sondergenehmigung, da genau der Fall auch von der Regulatorik bisher nicht abgebildet ist. Mercedes will das wohl nicht und treibt eher die Regulatorik voran.

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