Elektromobilität: Ab wann lohnen sich Ladetarife mit Grundgebühr

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on skype
Share on email

Ab wann lohnen sich Ladetarife wie Mercedes me charge mit Grundgebühr und was gibt es für Alternativen für die Elektromobilität

 

Aktuell gibt es noch einen ziemlichen Dschungel bei den Ladesäulen und Ladetarifen.

So bietet fast jeder Stadtwerkekonzern seinen Kunden unterschiedliche Preismodelle für das Laden eines Plug-in-Hybrids oder Elektroautos an. Da man als Endverbraucher aber nicht Kunde aller Stadtwerke in Deutschland sein kann gibt es Service-Dienstleister die das Freischalten einer Ladesäule an vielen Ladesäulen in Europa ermöglicht.

Die Anbieter heißen dann MainGau Energie, Shell Recharge, plugsurfing etc. D.h. man benötigt praktisch 2-3 dieser Anbieter (ohne Grundgebühr) als App oder mit RFID Karte um die Ladesäulen freizuschalten.

Die Autohersteller wollen aber immer mehr digital Services anbieten und hier dem Kunden ein überragendes Kundenerlebnis mit hohem Komfort bieten.

Dazu bietet VW bspw. unterschiedliche Haustarife unter dem Label We Charge, BMW hat auch neue Ladetarife und Mercedes bündelt diesen Service unter Mercedes me charge.

D.h. man kann den Mercedes-Benz Plug-in-Hybrid oder den EQA, EQC sowie EQV sehr komfortabel über die MBUX Headunit mit Strom betanken. Man wählt auf dem Display (die Navigation plant die Stopps schon mit ein, via Live-Status kann man sehen, ob die Ladesäule frei oder belegt ist) und kann via Charge and Pay den Ladevorgang über MBUX starten. Allerdings funktioniert Plug and Pay noch nicht. D.h. es ist nicht wie bei Tesla am Supercharger, dass man einfach nur das Ladekabel anstöpselt und der Ladevorgang inkl. Abrechnung automatisch erfolgt.

Beim AC Laden in der Stadt an einer Typ2 Ladesäule wird der örtliche Preis im MBUX angezeigt den man hier für die kWh zu entrichten hat.

Auf der Langstrecke sieht es da schon anders aus.

Hier hat Mercedes, BMW, Ford, Audi, VW, Porsche, Hyundai und Kia ein Pendant gegenüber den Tesla Superchargern. Dieses paneuropäische Netzwerk heißt ionity ist ein Joint Venture der o.a. Hersteller. Sie bieten derzeit 335 Ladeparks mit rund 1.500 Säulen an. Es ist geplant das Netzwerk auf 400 Ladeparks und 2.400 Säulen Mitte 2021 zu auszubauen.

Das Ad-hoc laden ist hier, auch aufgrund der sehr hohen Investitionskosten (bis zu 0,5 Mio. € pro Ladepark), mit 0,79€ je kWh im Vergleich zum Hausstromtarif (0,30€ je kWh) sehr teuer. Daher bieten die Gesellschafter des Joint-Ventures für ihre Fahrzeugmodelle spezielle Tarife an.

Bei Mercedes ist es so, dass das Basispaket Mercedes me Charge (Möglichkeit mehrere Hunderttausend Ladepunkte in Europa freizuschalten) im EQA ein Jahr und im EQC 3 Jahre ab Kauf inklusive ist. Danach kostet es 99€ im Jahr. Zusätzlich gibt es „günstiges Schnellladen bei ionity“. Beim EQA ist dies Teil des Pakets 39U Remote und Charging Services Premium. Nach Ablauf von 12 Monaten kostet dieses Zusatzpaket 156 EUR im Jahr. Dann kann man den EQA, EQC, EQV für 29 Cent (auf dem Niveau von Haushaltsstrom) bei ionity laden.

Andere Autohersteller haben ähnliche Tarife. Nur Tesla verzichtet hier auf eine hohe fixe Grundgebühr.

Ladekosten Tarife
Y-Achse: durchschnittliche Ladekosten je kWh, X-Achse: nachgeladene Kilometer am DC Schnelllader

Für wen lohnen sich solche Tarife mit Grundgebühr und niedrigen kWh-Preisen?

Dies hängt immer von den individuellen Faktoren ab. Habe ich ein Eigenheim mit Garage und kann zu Hause günstig Strom laden? Dann lade ich vielleicht 90% zu Hause und benötige gar kein Mercedes me Charge Paket für 99€ Grundgebühr, sondern komme mit Anbietern über die Runden die keine monatliche Grundgebühr erheben.

Habe ich sogar eine Photovoltaikanlage auf meinem Dach so produziere ich Strom für 9 bis 11 Cent und fahre die 100 km für rund 1,70 EUR. Also unschlagbar günstig. Das setzt natürlich voraus, dass ich das Auto zu Hause laden kann wenn die Sonne scheint.

Wenn man sich überwiegend im Umkreis zu seiner Heimat bewegt und zu Hause lädt, lohnt sich unter Umständen das ionity-Paket für 156 EUR gar nicht.

Denn im Mercedes Beispiel ist es so, dass ich rund 2.550 km Strom an einem ionity Schnellader Strom nachladen muss damit ich erst einmal auf dem ionity Adhoch Preis von 0,79€ je kWh bin.

2.550 km pro Jahr hören sich erst einmal nach nicht viel an, aber es handelt sich dabei ja nur um die Kilometer die ich am Schnelllader nachlade.

Urlaubsreise mit einem Mercedes EQA 250 von Köln nach Sylt

Der EQA 250 hat eine WLTP Reichweite von 429 km. D.h. bei einer Fahrweise von rund 110 km/h benutze ich nach 370 km den ionity Ladepark Ostetal Süd an der A1 kurz vor Hamburg. Der EQA wird das Zwischenziel vermutlich mit 5% Akkustand (SoC) erreichen. Hier muss man dann weitere 250 km (in relativ kurzen 20 min) nachladen um in Sylt anzukommen. Mit einem Inlandsurlaub hätte man rund 500 km bei ionity geladen. Man sieht also, das für Fahrer die gelegentlich längere Strecken zurücklegen, diese Tarife zu teuer sind. Bei Geschäftsleuten die oft auf der Autobahn sind können sich diese Tarife dagegen schnell amortisieren.

 

Welche Wahl haben Gelegenheitslader die nicht die teuren 0,79€ je kWh am ionity Schnellader zahlen möchten.

EnBW drückt hier mächtig aufs Tempo. Derzeit sind rund 1.000 Schnelladestationen mit rund 2.500 Ladepunkte aktiv. Bis 2025 sollen es 10.000 Schnellladepunkte sein. Aktuell wird jeden Tag eine Schnellladesäule in Betrieb genommen.

Im EnBW Mobility+ Tarif ohne Grundgebühr kostet hier eine kWh am Schnelllader 0,49€. Das ist deutlich günstiger als bei ionity mit 0,79€ / kWh. Da lohnt es sich vorab zu schauen, ob man die Ladestopps so wählt, dass man bei EnBW laden kann (denn EnBW hat kein Abkommen mit ionity). Wer den Hausstrom bei EnBW bezieht erhält die kWh sogar für 0,39€. Für Vielfahrer lohnt sich der Vielladertarif mit 60 EUR Jahresgrundgebühr.

enbw ladepark rutesheim
EnBW Schnellladetankstelle Rutesheim

Fazit

Wer nur 3-4 mal im Jahr längere Reisen mit dem Elektroauto unternimmt, benötigt die ganzen Grundgebühr-gebundenen Tarife der Autohersteller nicht. Den vollen Komfort und eine hohe Flexibilität erhält man dagegen mit dem Mercedes me charge Angebot (mit 100% grünem Strom).

 

Randbemerkung: Für alle die sich das Remote und Charging Services Premium (Code 39U) ab Werk für 1 Jahr sichern wollen: Es ist nicht mehr separat für 619,90 EUR bestellbar und nun ausschließlich im Business-Paket EQ enthalten. Da es bisher keinen Sinn machte es einzeln zu bestellen, da 156 EUR im Jahr im Mercedes me Store günstiger war als die 618,80 EUR ab Werk. Mercedes hat hier einen Fehler eingeräumt, die Preisliste hatte einen falschen Preis ausgewiesen und wurde zwischenzeitlich aktualisiert. Die Kunden die es bereits bestellt haben, wurden informiert und bekommen das Geld selbstverständlich erstattet.

Mehr Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Mehr Beiträge