Mercedes wann kommt der Autobahnassistent?

Mercedes investiert kräftig in den Ausbau der Fahrerassistenzsysteme

 

Es war im Oktober 2018, als jesmb.de den neuen Mercedes EQC auf dem Pariser Auto Salon begutachten wollte. Schließlich sollte die Auslieferung erst Mitte/Herbst 2019 erfolgen. Die Züge von Köln nach Paris fuhren zu ungünstigen Zeiten, also ab in die E-Klasse W213. Die ersten beiden Änderungsjahren waren noch wie gemacht dafür. Die Hands-off-Warnung kam erst nach 30s und das System hatte eine Einzelabnahme vom KBA.

Um 5 Uhr ging es los von Köln nach Paris. Eine sehr entspannte Reise, Dank des tollen Assistenzsystems. Man konnte gemütlich das Käsebrot essen und hatte genügend Zeit alle 30s auf die Touch-Control Buttons seinen Finger zu legen. Nach Abschluss der Messe um 20 Uhr ging es wieder zurück nach Köln. Sehr entspannend und komfortabel.

Auch aufgrund von Tesla wurde dann die 30s Handsoffzeit irgendwann Ende 2017 einkassiert und Mercedes entschied sich für eine Systemabnahme für alle Fahrzeuge, statt einer teuren Einzelabnahme pro Auto.

Seitdem kommt die Handsoff-Warnung alle 15s.

Es gab in dieser Zeit tolle Fortschritte, bspw. dass die Navidaten für Distronic herangezogen werden und vor einem Kreisverkehr gebremst wird, aber die 15s sind auch nach 8 Jahren weiterhin die 15s.

Auch erhalte ich zu diesem Thema immer wieder Emails von Lesern warum sich da nichts tut.

Auf der IAA 2025 konnte jesmb zu diesem Thema viele interessante Gespräche mit Mercedes und BMW führen.

Mercedes betont immer wieder das ein Level 2 System nur den Fahrer unterstützt und es ein System sei, bei dem der Fahrer die Hände am Lenkrad behalten sollte.

Auch bei dem überragenden Level 2++ System (Mitfahrt auf der IAA25) ist es so, dass der Fahrer eigentlich nur unterstützt werden soll und er zumindest eine Hand leicht am Lenkrad haben sollte.

Bei Ford gibt es für den March-E das System Blue Cruise und bei BMW (5er / i5) gibt es den Autobahnassistenten. Bei BMW soll das System nun für den 7er und die Modelle der neuen Klasse kommen.

Mercedes CLA mit MB.Assit Pro
Mercedes CLA mit Level 2++

Ford hat einen Blue Cruise Simulator auf ihrer Homepage, der anzeigt, dass man auf diesen Autobahnabschnitten keine Hand am Lenkrad benötigt (auch nicht alle 15s).

Auch BMW zeigt, dass das System auf der Autobahn (trotz Level 2) ohne Hände am Lenkrad auskommt.

Wie kann das sein?

Mercedes weist weiterhin daraufhin, dass es verboten sei bei Level 2 die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Aber die Systeme von BMW und Ford sind ja nicht illegal.

Nachgefragt bei BMW auf dem Messestand, sagte man, dass das System legal ist und eher noch weiter ausgerollt wird, als dass es durch neue EU-Gesetze verboten würde.

Die Einschränkung von BMW ist, dass der Autobahnassistent bis 130 km/h funktioniert und der Fahrer seine Augen auf der Straße haben muss.

Die sogenannte Driver Presence Detection könnte der Unterschied sein. Eine Infrarotkamera (bei Mercedes im digitalen Kombiinstrument integriert) überwachst die Blickrichtung der Augen des Fahrers. Es ist eine Infrarotkamera da sie auch durch dunklere Sonnenbrillengläser gucken muss.

Es ist nun die Vermutung, dass BMW eine bessere/präzisere Driver Presence Detection hat und damit sicherer ermitteln kann, ob der Fahrer auf die Straße guckt oder nicht. Dadurch könnte es sein, dass das KBA BMW von den „lästigen“ 15s entbindet. Guckt der Fahrer im BMW nicht auf die Straße meldet sich das System umgehend.

Mercedes hält dagegen, dass ihr System bis 210 km/h arbeiten kann und das eine optische Warnung bei den neueren Systemen bei 15s erscheint und es dann noch ein paar Sekunden dauert bis die akustische Erinnerung kommt.

Falls es sich bei Mercedes nicht nur um eine konservativere Gesetzesauslegung handelt, kann man davon ausgehen, dass die Mercedes Ingenieure genau wissen an welchen Stellschrauben man sich verbessern muss.

Es wäre ja auch ein zweistufiges System denkbar. Der Autobahnassistent bis 130 km/h (nach Level 2) ohne 15s Hands-Off-Warnung und darüber die normale Distronic Funktion, bei der man dann wieder alle 15s die Hand ans Lenkrad legen muss.

Mercedes Drive Pilot EQS
Keine Hände am Lenkrad und kein Blick auf die Straße geht derzeit nur in S-Klasse und EQS mit Level 3

Parallel entwickelt Mercedes auch das Level 3 System weiter. Hier wird der Fahrer aus der Verantwortung genommen und muss nicht auf die Straße gucken und benötigt keine Hand am Lenkrad, sobald das System aktiv ist. Hier konnte Mercedes durch ein umfangreiches OTA Update die Systemgeschwindigkeit von 60 auf 95 km/h anheben. Mit der neuen nvidia Hardwaregeneration (ab S-Klasse und EQS Mopf im Jahr 2026) könnte hier ein weiterer Schritt auf 110 km /h erfolgen.

Weitere Infos zu den Mercedes Assistenzsystemen:

MB.DRIVE ASSIST PLUS was sind die Vorteile

IAA25: Mitfahrt im Mercedes CLA mit Level 2++

 

Infos zum Ford Blue Cruise System

Video zum BMW Autobahnassistenten

 

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4 Responses

  1. Wenn man sich die zunehmende Alterung der Bevölkerung in Deutschland und anderen Industrieländern vergegenwärtigt, wird klar, dass es ein Riesenmarkt für selbstfahrende Autos gibt. Die Technik könnte Menschen die Mobilität, die das Auto bietet, auch dann noch garantieren, wenn sie selbst zu alt zum Autofahren sind.

  2. Das bezweifle ich stark. Die (aktuell) alternde Bevölkerung wird nicht das Geld für High-End-Autos mit High-End-Systemen haben.
    Die Bedienung ist nicht ganz simpel und erfordert -bei Systemausfall oder ändernder Verkehrssituation- eine eher schnelle Reaktion und fortdauernde situational awareness.

    Die Systeme sind komforterhöhend für Vielfahrer und digital afocionados. Nur diese beiden werden sich das leisten können und wollen.

  3. Danke, dass du das Thema noch mal aufgreifst. Für mich ist der Autobahnassistent im 5er ein absolutes Kaufargument und ich kann es kaum erwarten diesen dann im 3er NK zu sehen, eine absolute Premiere für sein Segment.

  4. Dass Mercedes aktuell nichts vergleichbares hat wie BMW mit dem Autobahnassistenten, halte ich für einen absoluten Wettbewerbsnachteil und ich verstehe nicht, warum man sich von den Münchnern hier so leicht abhängen lässt. Der eigene Anspruch, Vorreiter in Bezug auf Komfort und Sicherheit zu sein, wird hier nicht erfüllt. Für mich aktuell ein Grund, keinen Mercedes zu kaufen.

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