Die Aerodynamik des Mercedes EQE (V295)

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Der Mercedes EQE (V295) hat einen cW-Wert von 0,22

Seit über drei Jahrzehnten erzielen die Aerodynamiker von Mercedes-Benz Bestwerte. Aktuell sind der EQS (V297)[1] mit einem cw-Wert von 0,20, die A-Klasse Limousine (V177) und die S-Klasse (V223) mit 0,22 die weltweiten Rekordhalter für Serienautomobile. Dazu tragen die besonderen Simulationstools und der 2013 in Betrieb genommenen Aeroakustik-Windkanal von Mercedes-Benz entscheidend bei. Dort erhielt auch der EQE seinen Feinschliff. Mit seinem One-Bow-Design und umfangreichen aerodynamischen Maßnahmen erreicht er einen sehr guten cw-Wert ab 0,22.

Nach dem EQS ist er der zweite Mercedes-EQ, der auf der modularen Architektur für große Elektrofahrzeuge steht. Viele aerodynamische Maßnahmen teilt sich die Elektro-Limousine daher mit ihrem großen Bruder – und ist damit im Windschatten des aktuellen Aerodynamik-Weltmeisters für Serienautomobile unterwegs. Das Purpose-Design mit glattem Unterboden und meist geschlossener Kühlerjalousie waren eine gute Ausgangsbasis für die Strömungsoptimierung, wenngleich der EQE mit kürzeren Überhängen vorne und hinten sowie serienmäßigem Stahlfahrwerk konzeptionell etwas im Nachteil ist.

Mercedes bietet für den EQE im Windkanal optimierte Aeroräder in den Größen 19 und 20 Zoll an. Darunter ist ein zweifarbiges Leichtmetallrad mit nahezu flächig geschlossener Fläche, aber sichtbarem, glanzgedrehten Felgenhorn.

Hinter der sehr guten aerodynamischen Performance steckt viel Detailarbeit. Gerade die nicht sichtbaren Details, etwa am Unterboden, wurden besonders intensiv entwickelt. Allein im virtuellen Windkanal wurden mehrere tausend Rechenläufe durchgeführt. Nachfolgend einige Details der Aeroentwicklung:

  • Aerodynamisch günstiges Maßkonzept und Reifen mit optimierter Geometrie
  • Aerodynamisch optimierte Räder
  • Kühlluftregelsystem mit innovativer Querlamelle nutzt den zur Verfügung stehenden Bauraum äußerst effizient
  • Durchgehende Dichtungen im Frontbereich u.a. zwischen Serviceklappe, Black Panel und Scheinwerfern
  • Strömungsgünstige Gestaltung der A-Säule
  • Radspoiler vorn und hinten
  • Aufwendig abgestimmte Unterbodenverkleidung im Bereich der Hinterachse, um den Vorteil des glatten Unterbodens der Batterie noch stärker zu nutzen
  • Ausgeprägte Abrisskante am Heckdeckel

Umfangreiche Dichtungs- und Dämmmaßnahmen verringern Windgeräusche

Bei einem Elektroauto ohne das übliche Niveau an Antriebsgeräuschen sind Windgeräusche von den Insassen besonders deutlich wahrnehmbar. Darum ist das aeroakustische Verhalten besonders wichtig. Auch in diesem Bereich gehört der neue EQE zu den besten Fahrzeugen seiner Klasse.

Viel Feinschliff erfolgte im Detail: Um beispielsweise tieffrequente Geräusche, die als komfortmindernd empfunden werden können, zu verringern oder zu verhindern, wurden zahlreiche Hohlräume der Karosserie mit akustisch wirksamem Schaum gefüllt.

Die hochfrequenten Anteile des Windgeräusches konnten auch beim EQE durch verbesserte Dichtungen an den Türgriffen, der Scheibenhalterung und an den Außenspiegeln reduziert werden. Besondere Aufmerksamkeit schenkten die Aeroakustiker den Abdichtungen der Übergänge zwischen den sechs Seitenscheiben. Dieses Konzept ist neu bei den Fahrzeugen von Mercedes-Benz und kam erstmals beim EQS zum Einsatz. Einen weiteren Beitrag liefert die A-Säule mit einem speziell geformten Zierstab am Übergang zur Frontscheibe. Bei ihrer Entwicklung wurden sowohl moderne Strömungssimulationen als auch Außengeräuschmessungen mittels eines speziellen Mikrofon-Arrays im Windkanal eingesetzt. Die so gestaltete A-Säule verbessert nicht nur die Aeroakustik, sondern ist wichtig für einen geringen cW-Wert und bei der Schmutzfreihaltung der Scheiben.

Das Akustik-Komfort-Paket steigert den Geräuschkomfort noch weiter. Darin enthalten sind akustisch wirksame Verbundglasscheiben an den vorderen Seitenscheiben und zusätzliche Dämmung im Innenraum. Am Panoramadach sorgen verschiedene Windleitmaßnahmen wie Windabweiser, Abdeckungen und Dichtungen mit verbesserter Geometrie für hohen Geräuschkomfort trotz großer Dachöffnung.

[1] EQS 450+ (WLTP: Stromverbrauch kombiniert: 19,8-15,7 kWh/100 km; CO2-Emissionen: 0 g/km) mit 19“ AMG-Rad-/Reifenkombination und AMG Line Exterieur im Fahrprogramm SPORT. Der Stromverbrauch wurde auf Grundlage der VO 2017/1151/EU nach WLTP ermittelt.

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3 Antworten

  1. Ehrlich gesagt finde ich den Wert von 0,22 enttäuschend.
    Wenn eine A-Klasse Limousine, ohne One-Bow-Design, ohne Aero-Räder, ohne nicht zu öffnende Motorhaube und ohne den geschlossenen Kühlergrill den selben Wert erreicht, fragt man sich, warum man nicht einfach die Form der A-Klasse Limousine genommen hat, womit dann mehr Kopffreiheit im Fond gegeben wäre…
    Offenbar bringt dieses One-Bow Design nicht so viel wie vermutet? Allein durch die geschlossene Front und die steiler ansteigende Motorhaube hätte man ein besseren Wert als konventionelle Limousinen erreichen müssen.
    Ich hoffe auch, dass dieser alberne Trend mit den umständlichen Türgriffen bald wieder vorüber geht. Denn selbst nach Aussage der Aerodynamik-Experten bringen die keinen Vorteil. Wenigstens hat man das mit den Kamera-Rückspiegeln nicht weiter verfolgt, die beim PKW kein Sinn machen.

  2. Die versenkten Türgriffe bringen fast nichts – max. 2-3 km Range, sagte kürzlich ein Daimler-Ing. Das gilt übrigens auch für Kamera-Rückspiegel, auf die Mercedes (im Gegensatz zu Audi) beim EQXX verzichtet: Der besseren Aerodynamik der Kamera-Ärmchen stehen u.a. ein höherer Stromverbrauch und das Zusatzgewicht der Innendisplays gegenüber, haben sie beim Daimler mit spitzem Ing.-Bleistift berechnet. Rechnen: können sie in Stuttgart 🙂

    Das OneBow-Design ist nicht nur Aerodynamik-, sondern auch im technischen Design Packaging-relevant und verändert die gesamte Geometrie: Der Akku braucht mehr Radstand, das fordert kleinere Überhänge. Vorgerücktes Green House (cab vorward), vulgo die wegen Radstand-Plus nach vorne geschobene Windschutzscheibe verkürzt den verbleiben Raum für die Haube… kurz gesagt muss ein E-Auto komplett neu gezeichnet werden. EQE/EQS zeigen das Ergebnis, die neue Mercedes-Linie – und ist mit Kriterien etwa der A-Klasse nicht mehr zu messen (außer mit einer Zahl, hier jew. 0,22 cW Luftwiderstandsbeiwert).

    1. Die versenkbaren Türgriffe sind beim EQE ja nicht Serie.
      Sie bringen 1 km Reichweite. Sie sind aktuell „trendy“ und waren gemäß Aussage von Mercedes Chef Aerodynamiker TEddy Woll keine Vorgabe aus der Aerodynamik:

      https://jesmb.de/7888/

      Damit ein Auto einen guten cW-Wert hat muss es auch sanft nach hinten auslaufen. Das kann der EQE nicht so gut, da nach der Hinterachse direkt schluss ist. Deshalb auch der mit 430 Liter kleinere KOfferraum. Man brauchte aber den langen Radstand um den Akku zwischen die Achsen zu bekommen. HÄtte man nun den hinteren Überhang größer gemacht wäre es ja dann schon fast ein EQS gewesen.
      Ansonsten habt ihr recht. cW-Wert ab 0,22 ist nicht so toll wie gedacht.
      Aber die S-Klasse hat ihn auch nur als V223 und nicht mit jeder Felge. Die Angaben sind immer in der besten Konfiguration.
      Der EQS hat ja auch ab 0,2. die AMG EQS Versionen haben glaube ich 0,23

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