Kommt es zu einer Kooperation im Antriebsbereich zwischen Mercedes und BMW?
Die Transformation zieht sich länger hin als gedacht. Alles doppelt zu entwickeln (Verbrennungsmotoren, Getriebe sowie die elektrischen Triebstränge) kostet viel Geld für beide Unternehmen.
Gemäß der neusten Ausgabe des Manager Magazins soll Mercedes ab 2027 4-Zylinder Motoren von BMW beziehen. Wesentlicher Treiber dieser Idee soll Mercedes-Chef Ola Källenius sein.
In Stuttgart ist man wohl daran interessiert, die 9G-Tronic (NAG3) im Gegenzug an BMW zu verkaufen. Bei langsam steigenden E-Auto-Anteilen könnte man so die Produktion in Hedelfingen und Sebes (Rumänien) besser auslasten.
Bzgl. der Getriebethematik ist man bei BMW aber offenbar sehr zurückhaltend, da man bereits vor einigen Jahren einen sehr langfristigen Liefervertrag mit ZF (für die 8-Gang-Automatik) unterschrieben hat. Vor 20-25 Jahren wollten die BMW Ingenieure einmal die Mercedes 5-Gang-Automatik (NAG1) erhalten. Die Ingenieure waren sich einig, bis das BMW Marketing Wind von der Sache bekam und der Deal kam nie zu Stande.
Nun also umgekehrt. Im Erfinder des Automobils ein BMW 4-Zylinder verbauen? Bislang sorgten in den Langzeittests (C 180 W204) derzeit bei rund 600.000 km sowie der A-Klasse W176 mit rund 400.000 km die Mercedes Motoren für Furore (im positiven Sinne). Einen solchen Test gab es mit einem BMW nicht.
Die Frage die sich stellt ist der eigentliche Grund. Bei Mercedes sind derzeit alle Motoren taufrisch (bis auf den bald kommenden neuen V8).
Der M252 wurde von Mercedes entwickelt und wird bei Aurobay in China produziert. Er wird in allen MMA Hybrid Derivaten eingesetzt und soll so effizient sein, dass die Kunden in den MMA Modellen (CLA, GLA, GLB) den Diesel nicht vermissen werden (so die Aussage von Mercedes-Benz).
Der M254 4-Zylinder Benziner für C-Klasse, E-Klasse, GLC und GLE (in Amerika und China) ist aus dem Jahre 2020. Er ist also auch erst gerade mal 5 Jahre auf dem Markt.
Der OM654 ist mit dem W213 im Jahr 2016 erschienen und wurde mit Einführung der neuen C-Klasse W206 im Jahr 2021 grundlegend überarbeitet (OM654M).
Auch der M256M und OM656M R6 Benziner und Diesel sind top Aggregate (State-of-the-Art).
Aus technischer Sicht ist es daher verwunderlich auf einen BMW Motor umzustellen. Die Mercedes Motoren sind entwickelt, die Entwicklungskosten sind vermutlich auch noch gar nicht komplett abgeschrieben. Was wäre der Vorteil ?
Bei BMW sieht es anders aus. Ihr Benzin 4-Zylinder B48 ist aus dem Jahre 2014. Also deutlich älter als der von Mercedes. Man hat immer kommuniziert, dass man eine neue Motorenfamilie entwickeln wird, da man am Verbrenner festhalten will. Die Frage ist, ob das eine schöne Story ist, oder ob man vom Gesetz aus eine neue Familie entwickeln musste, da der über 10 Jahre alte B48 die EU7 vielleicht nicht so ganz einfach geschafft hätte?
Auf der anderen Seite, soll BMW bei der neuen Motorengeneration die Vorkammerzündung in die Serie bringen. Bei Mercedes kennt man diese Technologie schon lange (2014), allerdings nur aus den sehr erfolgreichen Formel 1 Triebwerken. Dort verhalft sie u.a. zu zahlreichen WM Titeln. Denn wo die anderen Hersteller schon Lift-and-Coast machen mussten, konnten die Mercedes Piloten noch auf dem Gas bleiben und die Leistung vollends ausschöpfen, denn das maximale Spritlimit lag bei 100 kg Kraftstoff pro Rennen (effiziente und kraftvolle Motoren hatten somit Vorteile).
Mercedes will nicht nur die 4-Zylinder Motoren von BMW aus dem Werk Steyr in Österreich beziehen, sondern auch ein gemeinsames Motorenwerk in den USA errichten. In Tuscaloosa werden neben dem GLS und GLE ab 2027 mit dem GLC Facelift auch GLC Modelle gefertigt. D.h. einer der Hauptmotoren wird der 4-Zylinder Benziner sein (er wird in den USA auch im GLE 350 verkauft). Auch BMW produziert in den USA den X3, X5 und X7. Nicht nur die in die USA exportierten Autos unterliegen den 15% Strafzöllen, sondern auch die dorthin gelieferten Teile (hier Antriebsstränge). Mercedes hatte hier schon einmal eine Kooperation mit Nissan /Infiniti. Dort produzierte man in deren Motorenwerk den M264 für Tuscaloosa.
Die Grundidee von der Teilung der Fixkosten ist klar verständlich. Aber eigentlich hat Mercedes diese Fixkosten (Entwicklungskosten der gerade taufrischen Fame Motorenfamilie) just vor einigen Jahren ausgegeben. Daher erschließt sich dieser Schritt in der jetzigen Phase des Lifecycles für die aktuellen Motoren nicht.
Die Kooperation zwischen Mercedes und BMW soll in den nächsten 8 Wochen bekannt gegeben werden (falls die Gespräche erfolgreich verlaufen). Normalerweise ist die IAA immer ein guter Ort solche Verkündungen zu machen.
Weitere Informationen:






















18 Responses
Da kann man nur auf eine Ente hoffen…
Na ja, die Firma hat auch schon Renault-Motoren und sogar ganze Renault- und Nissan-Fahrzeuge als Mercedes verkauft und es trotzdem überlebt. Vielen Kunden ist es offenbar völlig egal, was unter der Haube ist, solange es einigermaßen funktioniert und vorne der Stern drauf klebt. Gibt für Motoren sicher schlechtere Kooperationspartner als BMW …
Eben. Die Diesel-Renault-Motoren (in der A-Klasse) wurden ja auch nicht ohne Grund durch Mercedes-OM ersetzt. Da war oder ist der Image-Schaden aber schon vorhanden. Die kleinen Benzinmotoren in der A-Klasse (/den Kompakten) waren aber eine Mercedes-Entwicklung oder zumindest Kooperation. An denen gibt es wenig auszusetzen.
Ja, vielen geht es sicher so, aber nicht allen. BMW baut auch gute Motoren, aber gerade wenn man sich die Probleme bei einigen Motoren anschaut, da ist Mercedes eine andere Nummer – und anders ausgelegt. Das lässt sich nicht unbedingt mit „Freude am Fahren“ kombinieren.
Aber klar, man müsste schauen, wie das wirklich wird. So richtig vorstellen kann ich es mir aber nicht.
Beim Getriebe könnte ich mir schon eher das ZF im Mercedes vorstellen. Die 9G-Tronic ist zwar gut, aber das ZF für mein Empfinden eine Spur besser. Da kann ich mir auch schwer vorstellen, dass BMW das ersetzen will…
Ich habe schon von einigen Leuten gehört, die dem OM 607/608 in der A-Klasse nachtrauern, weil er anscheinend spürbar Ecke sparsamer und auch laufruhiger war. Aussortiert wurde der aber weniger aus Imagegründen, sondern, weil sich da wohl im Zuge des Abgasskandals größere Probleme auftaten. Deshalb musste man den ziemlich schnell loswerden.
Der M 282 ist ein leicht veränderter Renault H5Ht. Ich meine, das Schwungrad und die Zylinderabschaltung sind geändert bzw. neu, der Rest ist von Renault. Als Benziner hat der aber keine Probleme mit AdBlue und NOx, deshalb musste man den nicht so dringend ersetzen.
Und wer unbedingt einen echten Mercedes-Motor in seinem kompakten Daimler will, der kann ja heute schon einfach ab dem 220er aufwärts ins Regal greifen, dann kriegt er den M 260.
Wenn tatsächlich das Image der Grund wäre, hätte man nicht immer noch den Citan/EQT im Programm, den man ja sogar neulich noch mal überarbeitet hat.
Was man hört, hat Ola einfach keinen guten Draht zum Management von Renault/Nissan und will die Kooperation deshalb beenden. Zetsche und Ghosn waren ja Best Buddies, da war das noch anders.
Nee nee, wegen Image wurde der nicht aussortiert. Aber in Foren hat der Renault-Diesel keinen guten Ruf und macht Probleme. Weiß nicht, ob das Renault-Lastenheft auch 400.000 km vorsieht…
Die Benziner funktionieren gut, sind aber auch (mit) von Mercedes entwickelt. Ich finde sogar das Nicht-MB-Getriebe daran gut.
(Der China-Motor ist auch komplett bei Mercedes entwickelt, immmer hin.)
Außer man braucht kein Allrad. Diese Option 220er hat man leider 2019 gestrichen (und ich musste meine Bestellung ändern).
Citan und EQT werden doch bald eingestellt? War mir so im Ohr.
Also ich trauere dem Ende der Kooperation nicht hinterher. Die X-Klasse war ein abschreckendes Beispiel und auch in einer T-Klasse kommt für mich kein Mercedes-Feeling auf (allein der Geruch ist fremd).
Ist schon interessant, wie die Intelligenz der Masse dem Erfinder des Automobils beibringt, was es zu produzieren hat.
Dadurch kann sich der Konzern jedoch nicht weiter entwickeln.
Schlägt er Zukunftstechnologien vor, wird er sofort von dem IQ und der Angst der Masse ausgebremst.
So machen wir unsere eigene Industrie kaputt.
Warum sollen unsere Automobilhersteller überhaupt Geld in E-Mobilität stecken?
Was soll die Geldverschwendung?
Bleibt gefälligst bei euren Verbrennern! Das ist es, was die Menschen wollen.
Das viele ausländische Hersteller technologosch bald zum Überholen ansetzen, wird müde von oben herab belächelt. „Jaja, wenn der Chinese auf die Überholspur wechselt, dann fällt er eh auseinander!“ Genau!
Gab es da nicht mal Grundig, Blaupunkt, Borgward, Kodak, Nokia, Loewe, Blackberry ? (Liste ließe sich beliegig fortsetzen)
Teils Gianten am Aktienmarkt, „to big to fail“. Wir machen einfach so weiter wie bisher, war die Devise.
Ich kann diesem Text nicht folgen.
Besser als auch diese bei Geely in China zu produzieren ist das allemal. Mir gefällt die Idee.
Was mir nicht so recht einleuchtet warum sehr gute und moderne, neue Mercedes Motoren ersetzt werden soll.
Völlig unbelegte Spekulation:
MDC Power Kölleda, Thüringen wird Ende 2027 geschlossen.
Ob das (wenn es so kommen sollte) die richtige Entscheidung sein kann?
MDC Power ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und baut dort moderne und gute Motoren.
Es wäre nicht die erste Strategie von Ola Källenius, die dem Unternehmen nicht zuträglich ist.
Vor Allem wird wohl, falls der Deal zustande kommt, die R6-Motoren OM656M und M256M wohl ziemlich schnell auch ersetzt werden. Wie bescheuert muss eigentlich Ola sein so eine m. E. Die dümmste Entscheidung in der Firmengeschichte treffen kann. Die R4- und R6-Mootren wurden doch so entickelt, dass wir für Benziner als auch Diesel egal ob R4 oder R6 sehr viele Gleichteile nutzen. Wenn die R4-Modelle ersetzt werden mit minderwertigen Konkurrenzprodukte gehe ich davon aus, dass die skaleneffekte nicht mehr greifen und die Herstellung der R6 sich nicht mehr rentiert.
Die neuen Motoren OM654M und M254 sind außergewöhnlich gute, wenn nicht herausragende Motoren. Wieso muss ola alles, was gut ist einstampfen? Weshalb? Wenn Ola so weitermacht ist Mercedes dann irgendwann nur eine Firma, welche nur Fahrgestelle baut. Das wäre dann todesurteil für die Marke Mercedes.
Übrigens: die Mercedes-Motoren sind so konstruiert, dass diese auch in klein -LKW‘s (Sprinter 519d z-B. ) bis 5,5 t eingesetzt werden und dort ihre Dienste über >500.000 km und mehr leisten. Werden die (Schon mit Lagerschaden auffälligen) BMW-Motoren überhaupt diese Anforderungen genügen?
Beim OM654 meines Erachtens vollkommen unvorstellbar, da ist der Mercedes Motor dem BMW B47 weit überlegen, bei den Otto Motoren ist es eventuell denkbar, da könnte man neben dem Vierzylinder B48 auch den Dreizylinder B38 übernehmen, wobei in dem Bereich bringt man gerade selbst einen neuen Motor (M252), den wird man wohl nicht sofort einstampfen.
Denkmöglich wäre irgendein Special Agreement für die USA um dort den Zöllen zu entgehen.
Wenn man Mercedes (analog Borgward) vernichten möchte ist dieser Deal sehr wichtig und dringend zu treffen. Ich habe irgendwie Bauchschmerzen mit den Entscheidungen von Ola. Ich fahre aktuell neben 2 weiteren OM642 (A209 & W211) eine C-Klasse (C300dT mit dem OM654M-Motor – S206) und bin vom Mootr begeistert. Ein wirklich rundum gelungener, sparsamer & kraftvoller Motor mit der bekannten Mercedes-Langlebigkeit. Mehr Auto braucht keiner. Minderwertige BMW-Motoren werde ich nie kaufen!
Der Beitrag scheint wie er am 1. April geschrieben wurde, oder verstehe ich den schlechten Witz nicht.
>>>Nun also umgekehrt. Im Erfinder des Automobils ein BMW 4-Zylinder verbauen? Bislang sorgten in den Langzeittests (C 180 W204) derzeit bei rund 600.000 km sowie der A-Klasse W176 mit rund 400.000 km die Mercedes Motoren für Furore (im positiven Sinne). Einen solchen Test gab es mit einem BMW nicht.<<<
Bin gerade etwas verwirrt.
Langzeittests beim W204? Mit den aktuellen Motoren oder wie? Und was sollen uns die 600TKM sagen?
Kann mir jemand erklären was der alte W204 und W176 mit diesem Thema zu tun hat?
Vielleicht verstehe ich hier was falsch, aber das klingt verwirrend.
Ganz einfach, Mercedes-Motoren sind Langläufer und zuverlässige langlebige Motoren schon immer gewesen. Hier möchte man nur darauf hinweisen, dass die Langlebigleit von Mercedes mehrfach erprobt ist undbei BMW keine dieser Test bislang gemacht worden sind.
Und viel schlimmer: die aktuellen Mercedes-Motoren sind auch dauerläufer und haltbare Motoren und technisch deutlich technisch viel frischer als so manche minderwertige Motoren aus Bayern.
Die Zeiten Made in Germany sind eh längst vorbei. Man zehrt nur noch von den guten Erinnerungen an eine der weltbesten Ingenieursleistungen aus der Vergangenheit. Jetzt geht’s nur noch in eine Richtung…möglichst lange noch den Stern als Markensymbol ausschlachten. In ein paar Jahren wird von Mercedes nur noch ein Entwicklungs-/Technologie bzw. Softwarehaus für ein paar hochspezialisierte Innovatiionen übrig bleiben.
Die Karre an sich klopfen dann irgendwelche Billiglohnländer zusammen.