Ist der eVito und der eSprinter zu teuer?

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Der eSprinter ist nach dem eVito der zweite Elektro-Transporter von Mercedes-Benz Vans, den es als Serienfahrzeug zu kaufen gibt. Komplettiert wird das Trio im weiteren Verlauf des Jahres durch die voll-elektrische Großraumlimousine EQV (EQV 300, Stromverbrauch kombiniert: 26,4-26,3 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km). Geplant ist außerdem eine batterieelektrische Variante des Nachfolgemodells des Citan.

Den eSprinter wird es zum Marktstart als Kastenwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.500 Kilogramm in Hochdachausführung geben. Sein Elektroantrieb treibt die Vorderräder an und leistet, wie das Diesel-Einstiegsaggregat, 85 kW/116 PS mit einem Drehmoment von bis zu 300 Newtonmeter.

In zwei Varianten konfigurierbar, ist die Batteriekapazität des eSprinter. Sie lässt sich gezielt nach Anwendungszweck wählen – je nachdem ob eine größere Reichweite oder eine höhere Nutzlast priorisiert wird. In der leistungsstärkeren Ausführung sind vier Batterieeinheiten verbaut, was einer installierten Batteriekapazität von 55 kWh (nutzbar 47 kWh) mit einer Reichweite von 168 km und einer maximalen Zuladung von 891 Kilogramm entspricht. Die zweite Variante hat eine installierte Batteriekapazität von 41 kWh (nutzbar 35 kWh), eine Reichweite von 120 km und liegt mit 1.045 kg Nutzlast nahezu auf dem Niveau des konventionell angetriebenen Sprinters. In beiden Fällen ist das Ladevolumens von 11 m³ uneingeschränkt nutzbar, da die Batterien unter dem Ladeboden verbaut sind.

 

 

Oben ist die große Batterievariante mit 4x Plug-in-Hybrid Batterien (identisch mit C 300de, E300de, S560e) zu sehen. Im unteren Teil des Bildes die Standardvariante mit 3x Plug-in-Hybrid Batterien.

Durch das Verwenden von 3 oder 4 Plug-in-Hybrid Batterien hat man ein relativ schlechtes Brutto / Netto Verhältnis bei der Energiemenge.

Zudem hat man relativ viel Batteriegehäuse im Vergleich zu den verbauten Zellen. Es wäre hier unter Umständen besser gewesen statt der 13,7 kwh Plug-in-Hybrid Batterien die 31,2 kwh Batterien vom GLE 350de zu nehmen. Hier wäre vermutlich die Bauhöhe jedoch zu hoch gewesen.

Wenn man aber die Preise betrachtet, kann man leicht vom Glauben abfallen:

Für 120 km elektrische Reichweite werden 64.141 EUR fällig. Enthalten ist darin zwar ein Wartungspaket für vier Jahre, das in diesem Zeitraum die Kosten der Wartungsarbeiten gemäß Serviceheft und Herstellervorgaben abdeckt, sowie das Mercedes-Benz Batteriezertifikat für 160.000 km oder acht Jahre. Dies hat jedoch eigentlich keinen hohen Wert, da bei einem Elektroauto der teure Ölwechsel entfällt und durch die Rekuperation die mechanischen Bremsen viel länger halten. Ein Diesel-Sprinter mit Standard-Länge, Hochdach kostet mit gleicher Motorstärke rund 36.000 EUR.

Tesla hat nun verkündet, dass man Ende 2020 eine Kilowattstunde, nicht auf Zellebene, sondern als fertige Batterie für 80 Dollar bauen kann. Da bei einer Plug-In-Hybrid Batterie der Anteil von Batteriegehäuse zu Batteriezellen ungünstig ist und man somit mit 200 EUR je kWh rechnet, ergäbe sich bei einer installierten kWh Anzahl in der Basisversion ein Preis für die 41 kWh Batterie von 8.200 EUR netto. D.h. der Basis eSprinter dürfte eigentlich nur 36.000 +(8.200+MwST) also rund 46.000 EUR kosten.

Der Aufpreis für die 4. Plug-in-Hybrid-Batteriekonfiguration kostet 8.773,87 EUR.

Das entspricht einem kWh Preis von völlig absurden 640 EUR/kWh.

Es ist davon auszugehen, dass große Firmenkunden ganz andere Preis zahlen werden und Mercedes aufgrund der Kapazitätsengpässe im Batteriewerk Kamenz eh nicht mehr eVito und eSprinter bauen kann.

Aber für die Elektromobilität ist es insgesamt schlecht. Für die Glaubwürdigkeit von Daimler bzgl. Ambition 2039 ebenfalls.

Weiterer Nachteil: Der 2-phasige Lader inkl. DC Schnellladefunktion kostet im eSprinter 577 EUR Aufpreis und ist im eVito gar nicht erhältlich.

Aktuell hat der eSprinter quasi keine richtige Konkurrenz. Beim eVito sieht es ab der 2. Jahreshälfte dagegen ganz anders aus.

 

 

Der eVito Kastenwagen gibt es nur mit den 3x Plug-in-Hybrid Batterie. Somit sind bei ihm 35 kWh nutzbar. Seine Reichweite liegt bei 150-184 km. Eine DC-Lademöglichkeit wird hier optional nicht angeboten.

Der Preis eines vergleichbaren Diesels liegt bei 26.000 EUR. Der eVito startet bei 53.538 EUR (beide inkl. MwSt).

Dies bedeutet einen kWh-Preis von rund 658 EUR !

Ab dem 2. Halbjahr 2020 wird jedoch in dieser Klasse Modelle von Opel, Peugeot expert, Citroen und Toyota (alle baugleich) auf den Markt kommen. Sie werden mit der 50 kwh e-Corsa bzw e-208 Batterie angeboten und können optional auf 75 kwh upgegradet werden. Die Reichweite liegt bei 230 km bzw. 330 km in der großen Version (WLTP).

Fazit: Daimler sollte hier marktübliche kwh Preise ansetzen, wenn man die Elektromobilität bei Mercedes-Benz Vans ernsthaft voranbringen möchte.

 

Hier geht es zu eVito und eSprinter Preisliste

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8 Gedanken zu „Ist der eVito und der eSprinter zu teuer?“

  1. Daimler würfelt ja nicht die Fahrzeugpreise. Von daher sind die Preise wohl nicht aus der Luft gegriffen.

    Im Übrigen gibt es natürlich für den e-Sprinter einen (sehr ernsthaften) Konkurrenten: Den VW e-Crafter. Und der kostet ziemlich exakt das gleiche (rd. 64.000€).

    1. Hi Driv3r,

      stimmt den e-crafter habe ich vergessen. Er ist auch ziemlich halbgar mit seinem erhöhten Ladeboden und der alten e-Golf Batterie.

      Aber im Ernst, wenn eine 13,7 kwh Batterie 8.700 EUR kosten würden. Hätte man bei den 15 kwh beim A 250e ein Problem mit dem Deckungsbeitrag.

      Vermutlich braucht man die knappen Batterien für die Fahrzeugklasse M1 (Personenwagen bis zu 8 Personenbeförderung). Die Klasse N1 zählt ja noch nicht in das CO2 Ziel 2020.

      Der Preis des e-crafter macht es ja nicht besser.
      Der VW-e-up kostet rund 22 T€. Ein Beziner ca. 11 T€. D.h. grob kostet dort die Batterie 344 EUR je kwh. Wenn man den Mehrpreis nur der Batterie zurechnet.
      Eigentlich muss man von dem Mehrpreis noch die VW Förderung abziehen. D.h. 11.000 – 3.570 EUR = 7.430 EUR / 32 kWh = 232 EUR je kWh.

      Von daher sind die Preise vom eVito, eSprinter und auch vom VW eCrafter happig.
      Gleiches gilt vermutlich auch für den eCitaro.

      Viele Grüße
      Julian

      1. Lieber Julian,

        ein kommerzieller Van rechnet sich in erster Linie über TCO – Total Cost of Ownership. Da ist der Bruttolistenpreis nur ein Aspekt von vielen (Spritpreis, Wartungskosten, Verschleiß, Reparaturen, Verfügbarkeit/Zuverlässigkeit, Leasingrate, Restwert…). Von Leasingangeboten oder Flottenlösungen ist da noch gar nicht gesprochen. Klar ist aber, dass es aktuell für eVito und eSprinter keine supergünstigen Stickerpreis-Modelle „Worker“ geben wird.

        1. Hi Driv3r,
          für die KEP Branche reicht die Reichweite vermutlich. Aber wenn Du TCO ansprichst: Wenn in 2-3 Jahren durch mehr Konkurrenz, hat Amazon nicht eine 5-stellige Stückzahl bei Rivian bestellt, die Preise auf ein normales Maß fallen, sollte man den eSprinter lieber leasen, weil bei 64 T€ ist ein hoher Wertverlust vorprogrammiert.

          Ich freue mich darauf, wenn Elektromobilität zur Normalität geworden ist und man sie genauso einfach bestellen kann wie heute einen schicken Mercedes mit ICE.

          1. Wir sehen aktuell noch nirgendwo fallende Preise, da die (weiter stark steigende) Nachfrage die (nur langsam steigende) produzierte Menge weiterhin übersteigt. Und dieser Trend wird auch in den nächsten 2-3 Jahren anhalten. Ein Rivian macht da keine Ausnahme. Und auch für Rivian gilt: Erstmal irgendein Fahrzeug auf die Straße setzen und in Stückzahlen in den Verkauf bringen, bevor man a la Tesla (oder Faraday Future oder Lucid oder oder oder…) dutzende Modelle und die tolle neue Absatzwelt von Morgen propagiert. Nur haufenweise Cash in ein Startup zu investieren bringt kein Automobil der Welt auf die Straße.

          2. Ich bin voll bei Dir. Diese ganzen Start-ups entwickeln ein Auto, und dann ? Köln hat über eine Millionen Einwohner, aber für eine Reparatur eines Teslas soll man nach Düsseldorf fahren 😉
            Was ich mit Rivian nur verdeutlichen will: Wenn der eSprinter ein absolut runde Sache wäre, inkl. Preis, würde Amazon vllt gar nicht beim Rivian anklopfen. Einen ähnlichen Fall hatten wir ja schon bei der Deutschen Post mit dem Streetscooter. Er ist ja quasi gescheitert jetzt, aber es wäre gar nicht soweit gekommen wenn Daimler der Post ein ordentliches Angebot gemacht hätte vor Jahren.
            Bin gespannt wie es sich entwickelt alles.
            Hoffe das Daimler die Verzögerungen bei den PHEV und BEV in den Griff bekommt.

            Bzgl Preissenkung: Der eGolf, Leaf und leicht auch der BMW i3 wurden im Preis gesenkt.

          3. Ich kann Dir versichern, dass Daimler in einem sehr guten Kontakt mit Amazon steht. Außerdem: Das eine ist Europa, das andere sind die USA. 😉 Mehr kann ich dazu nicht sagen. Und: Wo StreetScooter geendet ist wissen wir ja (leider/zum Glück?) bereits.

            Bzgl. i3: BMW lässt den schön weiterlaufen um einerseits die CO2-Ziele sicher erreichen zu können und andererseits, da sämtliche Entwicklungs- und Produktionsmittel und -anlagen mittlerweile abgeschrieben sind, d.h. die Kostenbasis ist aus anderen Gründen als rein der „Batterie“ „günstiger“ geworden.

  2. Pingback: Mercedes EQV 300 kann ab heute für 71.388,10 EUR bestellt werden - JESMB

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