Autoquartett mit dem Mercedes EQA 250

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Autoquartett: Der große Datenvergleich mit Mercedes EQA, GLA, GLA 250e, Hyundai Kona, Kia eNiro und VW ID3

Die Autohäuser sind coronabedingt geschlossen. Aber am 04.02.2021 erhält der Mercedes EQA seine Bestellfreigabe. Die Verkäufer verkaufen praktisch aus dem Homeoffice. Daher nun das Autoquartett mit dem Mercedes EQA und seinen Brüdern GLA und GLA 250e sowie der asiatischen Konkurrenz. Hier treten die kleine Schwester Hyundai Kona elektro und die große Schwester Kia e-Niro an. VW hat den ID3 ganz frisch im Angebot.

Mercedes 2021 GLA (H247)
Mercedes GLA

Leistung:

Hier gewinnt der GLA 250 knapp vor dem GLA 250e Plug-in-Hybrid. Die elektrischen Modelle von Hyundai/Kia und VW treten in der höchsten Motorisierung an und leisten 204 PS. Der GLA 200 hat mit 163 PS die geringste Leistung. Dies reicht jedoch, da er auch deutlich leichter als die elektrische Konkurrenz ist.

Mercedes EQA 250 Edition 1
Mercedes EQA 250

Drehmoment:

Auch hier bildet der GLA 200 mit 250 NM (M282 1,33 Liter 4-Zylinder) das Schlusslicht. Auf dem vorletzten Platz liegt der VW ID3 mit 310 NM. Auf Platz 1 ist der GLA 250e Plug-in-Hybrid der mit 450 NM in Führung geht. Die Plätze auf dem Treppchen gehen nach Korea. Kia und Hyundai weisen 395 NM auf. Der EQA 250 kommt mit 375 NM knapp dahinter, aber noch vor dem Verbrennerkollegen GLA 250 mit 350 NM.

Beschleunigung:

Der letzte Platz geht überraschenderweise an den EQA 250. Trotz 190 PS, die dank Elektromotor praktisch sofort anliegen, schafft er den Sprint von 0 -100 km/h in 8,9s. Der GLA 200 ist Dank seines Gewichtsvorteils von 555 kg 0,2s schneller. Auf Platz 1 und 2 kommen der GLA 250 und GLA 250e. Der ID3 von VW kommt mit 7,3s auf den 3. Platz. Er nutzt hier den Vorteil der MEB Plattform. Da das Gewicht bei Elektroautos ist sehr mittig (da der schwere Akku zwischen den Achsen sitzt) kann der ID3 mit seinem Heckantrieb punkten. Daher haben Autos mit Frontantrieb wie bspw. EQA, Hyundai Kona und Kia eNiro Traktionsprobleme, da sie keinen schweren Motor auf der Vorderachse haben. Beim Hyundai Kona elektro setzt schon bei leichter Feuchte wildes Scharren der Vorderreifen ein, welches sich bis in die Lenkung überträgt.

Vmax

Alle Elektromodelle in diesem Vergleich werden elektrisch abgeregelt. Der VW ID3 und der Mercedes EQA 250 bei 160 km/h, die asiatischen Geschwister bei 167 km/h. Der Verbrauch schnellt bei einer Steigerung der Geschwindigkeit zum Quadrat nach oben. D.h. wer mit einem Elektroauto in den Urlaub fahren möchte, kann sich überlegen, ob er lieber rasen will und die Zeit an der Ladesäule verbringt oder ein Gesamtoptimum aus Ladezeit und Geschwindigkeit wählt. Daher ist die Höchstgeschwindigkeit  eigentlich irrelevant. Platz 1 geht an den Verbrenner GLA 250 mit 240 km/h.

VW id3
Wie der EQA ist auch der ID3 bei 160 km/h abgeregelt

Länge, Breite, Höhe:

Der EQA stammt vom GLA ab. Ist aber aufgrund geänderter Schürzen mit 4,46m rund 5cm länger. Der Kona ist hier mit 4,18m der kürzeste. Die Breite liegt bei allen zwischen 1,80 und 1,85m. Interessant ist die Höhe. Während der Kia eNiro und Hyundai Kona elektro (1,57m) als City-SUV oder Kompakt-SUV durchgehen sind sie praktisch genauso hoch wie ein VW ID3 (1,55m).  Der EQA ist mit 1,62m rund 1cm höher als seine GLA Brüder.

Wendekreis:

Der Wendekreis von GLA und EQA liegt bei 11,4m. Dies ist relativ viel, aber nicht ungewöhnlich für Auto mit quereingebauten Motor. D.h. die Vorderräder können hier nicht so stark einschlagen wie bei einer C-Klasse. Auf Platz 1 ist der VW ID3. Er profitiert hier ebenfalls von seinem Heckantrieb. Somit können die Vorderräder weiter einschlagen. Mit 10,2m liegt er sehr gut. Da kann – so komisch wie es sich anhört mag – nur die Luxuslimousine S-Klasse (W223) mit optionaler 10 Grad Hinterachslenkung und Heckantrieb mit 10,5m mithalten.  

Gewicht:

Der GLA 200 und GLA 250 wiegen mit rund 1,5 Tonnen am wenigsten. Der GLA 250e Plug-in-Hybrid liegt auf einem Niveau mit VW ID3 sowie Kona und eNiro. Der EQA 250 übertrifft mit 2.040 kg nicht nur um eine halbe Tonne die Verbrenner-GLAs sondern auch um 200 kg die elektrischen Konkurrenten. Das ist auch ein Grund weswegen er langsamer beschleunigt. Aber das Mehrgewicht kommt nicht irgendwoher sondern resultiert aus den typischen Mercedes Markenversprechen. Komfort und Luxus ist beim EQA auf einem anderen Niveau als beim VW und insbesondere ggü dem Hyundai und Kia. Der VW ID3 weist billige Interieurverkleidungen und Sitzstoffe auf. Der Hyundai Kona elektro ist sehr schlecht gedämmt. Bei Regen wird er sehr laut im Interieur. Es gibt insbesondere bei feuchter Fahrbahn hohe Abrollgeräusche an der Hinterachse. Der Mercedes EQA ist hier extrem aufwendig entkoppelt und gedämmt. Das erklärt zumindest einen Teil seines Mehrgewichts gegenüber seinen elektrischen Mitstreitern.

Entwicklungsziel beim EQA war es, auf hohem Niveau eine Balance aus Geräusch- und Fahrkomfort zu schaffen. Besonders im Fokus standen die Gestaltung des Antriebsgeräuschs und die Integration des elektrischen Antriebsstrangs. NVH-relevante Bauteile wurden in der digitalen Entwicklungsphase entsprechend ausgelegt, in der Hardware-Phase auf Prüfständen abgesichert und erst dann ins Fahrzeug integriert. Bei der Erprobung auf der Straße fand dann der Feinschliff statt: Im Gesamtfahrzeug konnten Übertragungspfade identifiziert, kritische Resonanzen eliminiert und das Antriebsgeräusch auf ein angenehmes Niveau reduziert werden. Wie beim Hausbau kümmerte man sich zunächst um Rohbau/Plattform und später um Innenausbau/Isolierung. Denn eine Entkoppelung oder unmittelbare Kapselung der elektrischen Antriebseinheit ist effektiver als Dämmmaßnahmen im Innenraum. Zu den Maßnahmen der Schallisolation gehören ein geschlossener Fahrgastraum, effiziente Dämpfungssysteme auf den Blechflächen und akustisch wirksame Verkleidungsteile.

EQA 250 Kofferraum: Auf den 1. Blick identisch mit dem GLA, Volumen ist aber um 95 Liter geringer
Mercedes GLA Kofferraum
Mercedes GLA Kofferraum: 435 Liter

Kofferraumvolumen

Platz 1 geht an den Kia e-Niro. Er hält 451 Liter bereit. Ihm folgen der GLA 200 und GLA 250 mit 435 Liter. Die Dieselmodelle des GLA haben 425 Liter (aufgrund des Adblue-Tanks steht hier rund 10 Liter weniger Kofferraum zur Verfügung).

Der VW ID3 liegt mit 385 Liter rund 10 Liter über Golf Niveau. Während Mercedes beim GLA 250e Plug-in-Hybrid durch das innovative Packaging einen tollen Job gemacht hat und der Kofferraum sehr gut nutzbar ist und nur 50 Liter ggü dem GLA Benziner verliert, überrascht der EQA mit nur 340 Liter. Er liegt damit nur knapp vor dem Hyundai Kona elektro (333 Liter). Dies liegt aber auch daran, dass der Kona über 20cm kürzer ist. Warum der Kofferraum vom EQA im Vergleich zum GLA Benziner rund 95 Liter kleiner ausfällt ist nicht so ganz klar. Insgesamt wird unter dem Kofferraum zum einen der 11-KW Bordlader und das DC Ladegerät untergebracht. Ansonsten sieht der Kofferraum eigentlich identisch zum GLA aus. Es ist zu vermuten, dass auf das untere Fach im EQA komplett verzichtet wurde, da man noch Platz für das eATS (2. Antrieb) für die 4matic Versionen des EQA vorhalten muss (EQA 4matic erscheint im Herbst 2021).

Der Hyundai und Kia basieren ja wie der EQA auch auf ihren Verbrennerkollegen. Sie sind als „Nasenlader“ ausgeführt. Hier ist der On-Bord-Lader im recht leeren Motorraum (ein E-Motor ist deutlich kompakter als ein Verbrennungsmotor) untergebracht. Sie verlieren dadurch kein Volumen im Kofferraum.

Mercedes EQA Montage Rastatt
der linke und rechte silberne Kasten mit den organgenen Steckern (On-Bord-Lader) reduzieren den EQA Kofferraum
Mercedes EQA Batterie
Mercedes EQA 250 Akku - 66,5 kWh nutzbar

Akku:

Der Plug-In-Hybrid weist 15,6 kWh auf. Platz 1 geht hier an den EQA. Er hat mit 66,5 kWh nutzbarem Energiegehalt den größten Akku.

Reichweite:

Diesen Vorteil kann er aufgrund seines etwas ineffizienteren Asynchronmotor sowie des höheren Gewichts nicht in die höchste Reichweite ummünzen. Kia, Hyundai und VW haben einen permanent-erregten Synchronmotor. Hier ist der Stator als Permanentmagnet ausgeführt. Dafür werden seltene Erden wie Neodym eingesetzt. Diesen Nachteil besitzt der EQA als 250 nicht. VW ID3 kommt mit 423 km am kürzesten unter den Elektroautos im Vergleich. 3 km mehr bietet mit 426 km der Mercedes EQA 250. Eine Version mit über 500 km (WLTP) folgt im Spätherbst 2021. Am weitesten kommt hier der Hyundai Kona Elektro mit beachtlichen 484 km nach WLTP.

Ladegeschwindigkeit:

Mit 24 KW DC (optional) glänzt der GLA 250e Plug-in-Hybrid in der Welt der Plug-in-Hybrid. Mehr kann hier nur die GLE Plug-in-Hybride und der neue S 580e. Ansonsten hat Mercedes hier ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal unter den Plug-in-Hybriden. So kann man in 25 min während des Einkaufs beim Discounter die Reichweite (61 km nach WLTP) wieder auf 80% erhöhen. Aber auch der Mercedes EQA 250 räumt hier unter den elektrischen Fahrzeugen den Punkt ab. 30 min von 10 auf 80% kann zwar auch der VW ID3, aber der EQA hat ja den größeren Akku. Somit bunkert er in den 30 min mehr Kilowattstunden. Mercedes stapelt hier mit 100 KW tief. Die Angabe mit 300A bei 400 Volt sagt, dass er mindesten 120 KW an der Ladesäule benötigt. Der VW ID3 kann mit dem mittleren Akku nur 100 KW (derzeit). Hyundai und Kia liegen hier mit 77 kW etwas abgeschlagen. D.h. aber auch: Hyundai und Kia punkten mit einer höheren Reichweite, der Mercedes EQA holt es dann beim ersten Ladestopp wieder auf, da er rund 15min kürzer stehen muss.

Hyundai Kona electric
in diesen Tagen wird vom Hyundai Kona elektro ein Facelift ausgeliefert - die technischen Daten sind unverändert

Anhängelast:

GLA 200 und GLA 250e Plug-in-Hybrid haben eine Anhängelast von 1.800 kg. Der GLA 250 darf 2.000 kg schwere Anhänger ziehen. Der EQA ist mit 750 kg (80 kg Stützlast für ein Fahrradträger) hier der deutliche Gewinner unter den kompakten Stromern.  Für Umzüge sollte es daher reichen. Der EQA 4matic erhält dann eine erhöhte Anhängelast von 1.800 kg. Kia, Hyundai und VW ID3 dürfen keine Anhänger ziehen. Allerdings reduziert sich die Reichweichte im Hängerbetrieb sehr deutlich, sodass häufige Fahren über weite Strecken mit Anhänger lästig werden könnte.

Preis:

Der EQA 250 liegt nach Abzug der Förderung (9.570 EUR) mit knapp 38.000 EUR preislich auf dem Niveau des GLA 200. Das macht durchaus auch Sinn, da man seine Fahrleistungen auch mit ihm vergleichen kann. Zudem ist der EQA rund 1.000 EUR günstiger als der Plug-in-Hybrid (der mit 7.177,50 EUR gefördert wird) und rund 4.500 EUR unter dem GLA 250. Der VW hat im Endeffekt dieselbe Höhe, teilweise sogar mehr Platz im Kofferraum, wird aber nicht als SUV eingepreist und ist dadurch rund 11.000 EUR günstiger als der EQA. Dafür muss man sich dann aber auch mit einer deutlich schlechteren Haptik im Interieur und einer mit einigen Bugs versehen Infotainmentsoftware abfinden.

Mercedes EQA rosegold
Mercedes EQA 250 (ohne AMG Line)

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2 Antworten

  1. Schöner Vergleich. Für den EQA spricht noch das lieferbare, echte Schiebedach. Interessant dürfte sein, wie der EQA bei Kälte lädt. Da geht beim ID.3 die Ladeleistung merklich runter. Zumindest die Spitze von 100 kW erreicht er dabei nicht. Der EQA hat einen höheren Verbrauch. Daher lädt er unter warmen Bedingungen kaum mehr km/Stunde als der ID.3 mit 58 kWh und weniger als der ID.3 mit 77 kWh. Der ID.3 Tour 5 (5 Sitze und 77 kWh) ist auch noch ein Konkurrent des EQA.
    Beim Plugin Hybrid sollte man auch noch 0-100 im e-Modus etwähnen, weil man ja vorzugsweise elektrisch fährt. Da liegt der 250e bei etwa 15 s. Das ist auch ein Grund, warum ich Vollelektro besser finde. Zudem hält ein Akku beim Plugin Hybriden nicht so lange, weil viel mehr Zyklen in gleicher Zeit. Spannend wird der Preis der Allradversionen sein. Den EQA 250 sehe ich als Kompromiss mit den Kosten. Allrad oder Hinterradantrieb sind die angenehmere Lösung. Ein überraschend guter Vorteil des ID.3 ist der Wendekreis. Im Alltag ist das sehr angenehm. Gegen den ID.3 spricht vor allem die fehlende Zuglast. Den Innenraum finde ich mit den vielen Ablagen jedoch wirklich gut gelöst, wenn auch nicht so stylisch wie beim EQA.

  2. Ja muss man mal in der Praxis ausprobieren. Der EQA kann den Akku auch vortemperieren, falls der Ladestopp im MBUX eingeplant ist.

    Ich dachte der VW ID.3 hat mit dem 77 kWh (großen und schweren) Akku aufgrund der Problematik mit dem zulässigen Gesamtgewicht nur 4 Sitze ?

    Bzgl. der Langlebigkeit vom GLA 250e Akku würde ich nicht so sehen. Mercedes hat hier das Brutto-Netto Verhältnis mit 15,6 kWh zu rund 10,8 kWh sehr konservativ angesetzt. Somit lädt man den Akku also nie so richtig voll. Durch diesen Trick erhält man dann mehr Ladezyklen.

    Bzgl. Wendekreis ob ID3 oder ID4 man merkt hier die MEB Plattform. Das hat schon auch Vorteile.

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